Ostern 2020
"Zuversicht - sieben Wochen ohne Pessimismus"

Mit diesem Motto starteten viele (evangelische) Christinnen und Christen in die Fastenzeit 2020. Die Ideen, wie dieses Motto umgesetzt werden sollte, haben mich sehr beeindruckt:
"Sorgt euch nicht!" Seht, wie sich Gott um die Lilien auf dem Feld und die Vögel am Himmel kümmert. Genau so sorgt er sich um euch.
"Fürchtet euch nicht!" Gott rettet sein Volk, das am Ufer des Meeres vor der scheinbaren Entscheidung stand, im Wasser zu ertrinken oder sich von den Ägyptern niedermetzeln zu lassen.
"Sollte dem Herrn etwas unmöglich sein?" Gott schenkt dem Abraham und seiner Sarah endlich den ersehnten Sohn, als es nach rein menschlichen Erfahrungen schon gar nicht mehr möglich war.
"Ich hoffte auf Licht und es kam Finsternis!" Die unerträgliche Leidensgeschichte des Hiob erdet so viele unserer Bitten an Gott und zeigt unsere eigene Hilflosigkeit dem Leid gegenüber auf.
"Meine Zuversicht ist bei Gott!" Diese Erfahrung des Psalmbeters dringt tief in die Seele ein, beruhigt und relativiert so manche Erfahrung auf die Verlässlichkeit Gottes für unser Leben.
"Klopfet an, so wird auch aufgetan!" Diese unhinterfragte Selbstverständlichkeit, dass Gott uns immer das schenken will, was wir brauchen, was gut ist für uns, was uns weiterbringt.
"Denn wir sind gerettet auf Hoffnung hin!" Diese alles durchtragende Überzeugung des Paulus, wie er sie im Römerbrief überliefert, dass unser Lebensziel Gott und damit das Heil ist.
Sieben Wochen, von Aschermittwoch bis Ostersonntag, sollten wir uns darin üben, über all die Schrecken des Alltags hinaus, in all dem Leid, in all dem Kummer immer wieder die Überzeugung zu finden: Wir sind nicht allein! Wir können uns auf andere Menschen verlassen. Und vor allem: Wir können uns auf unseren Gott verlassen!
Ich habe es als spannende Herausforderung gesehen, mich auf diese 7 Wochen mit diesen Themen einzulassen, mich immer wieder neu einzuüben in dieses Vertrauen auf Gott und auf die Menschen um mich herum.
Und dann kam Corona.
Und es war nichts mehr so, wie es vorher gewesen ist, wie ich es seit vielen Jahren kenne und praktiziere. Angefangen mit dem Abstandhalten. Keinem mehr die Hand geben. Niemanden mehr zur Begrüßung zu umarmen. Nicht mehr bei einer guten Tasse Kaffee am Tisch sitzen und ratschen. Nicht mal mehr in einen Gottesdienst gehen können. Dafür daheim auf dem Sofa eine Messfeier im Fernsehen aus einem Heim "mitfeiern". Von einem Moment auf den anderen ausgebremst. Alle Vorbereitungen, alle liturgischen Pläne außer Kraft gesetzt, ins Leere gelaufen.
Und nebenbei nicht nur täglich, sondern stündlich die Katastrophenmeldungen. Berichte aus China. Horrorreportagen aus Italien. Und die eigene Angst: Du gehörst ja auch schon zur sogenannten Risikogruppe, männlich, über 60.
Der erste Elan: Das schaffen wir schon. Ein paar Tage zu Hause bleiben, nicht ins Theater gehen können, nicht Essen gehen. Das geht schon mal.
Aber dann kommt wieder der Sonntag. Wieder kein Gottesdienst. Schon ein eigenartiges Gefühl. Jetzt geht schon etwas sehr Wichtiges ab. Irgendwie wird damit schon auch der Glaube in Frage gestellt. Wie wichtig sind diese Rituale, diese Gewohnheiten, diese Selbstverständlichkeiten? Meinen Glauben will ich doch in Gemeinschaft leben.
Zu den ansteigenden Zahlen von Infizierten und leider auch Toten kommen immer mehr Meldungen und Klagen, dass unsere Wirtschaft zusammenbricht. Ganze Branchen brechen weg: Gastronomie, Kunst und Kultur, Reisen, Automobilindustrie, Dienstleister wie Friseure und Therapeuten. Die Reaktion der Regierung kann zwar irgendwie beruhigen, lässt aber noch viele Fragen offen.
Ein wunderbares Hoffnungszeichen sind die kreativen Einfälle, die sich übers Netz verbreiten. Bekannte Lieder werden umgedichtet, treffend auf die momentane Situation. Anstelle der wöchentlichen Kirchenchorproben lädt der Chorleiter zu einem gemeinsamen Singen vor dem Handy ein. Kolleginnen und Kollegen verschicken trostspendende Bilder, Texte und Geschichten. Menschen, die schon lange nichts mehr von sich haben hören lassen, melden sich per WhatsApp. Gemeinde, Pfarrei, Pfadfinder organisieren Einkaufs- und Besorgungsgänge für Menschen, die nicht aus dem Haus gehen können oder dürfen oder sich nicht trauen. Und, wenn man beim Spazierengehen jemanden trifft, halten zwar alle den vorgeschriebenen Sicherheitsabstand ein, aber so viel gegrüßt bin ich schon lange nicht mehr worden.
Und im Hinterkopf geht mir immer wieder dieser Aufruf für die diesjährige Fastenzeit durch den Sinn: Zuversicht! Sieben Wochen ohne Pessimismus.
Vor der aktuellen Lage in unserem Land und in der ganzen Welt hat diese Aktion für mich eine ganz neue, eine ganz tiefe Bedeutung bekommen.
Nicht nur in den sieben ausgewählten Bibelstellen für diese sieben Wochen steht, dass wir uns auf unseren Gott verlassen können. Wir dürfen zuversichtlich sein, dass er uns nie allein lassen wird. Das ist die Grundaussage in seiner ganzen Geschichte mit uns Menschen. Angefangen von Adam, über Abraham bis hin zu Maria. Gott steht zu seinem Wort. Gott lässt uns Menschen immer wieder die Freiheit, auch etwas ohne ihn zu planen und zu versuchen. Aber er lässt uns nicht los, verlässt uns nicht. Und das wirklich Tröstliche ist, dass er seine Nähe und seinen Schutz nicht an Bedingungen knüpft. Nur, wenn du das und das tust, glaubst, bekennst, dann bin ich bei dir, stehe dir bei. Er hat seine Liebe zu uns Menschen bedingungslos ausgesprochen und lässt sich in ihr auch nicht durch unser Verhalten beirren.
Zuversicht. Eine Wahnsinnsaufgabe und ein Wahnsinnsprogramm.
Wahrscheinlich werden öffentliche Gottesdienste an Ostern ausfallen.
Kein gemeinsamer Gründonnerstag mit der Erinnerung an das letzte Abendmahl, in dem Jesus uns einlädt, eins mit ihm zu werden.
Keine gemeinsame Karfreitagsliturgie mit diesem brutalen und doch so eindringlichen Erleben des Leidens und Sterbens Jesu.
Und keine gemeinsame Osternacht mit diesem Aufbrechen der Nacht, auch der Dunkelheit in unserem Herzen, mit dem Aufblühen des Lichtes und der Feier der Befreiung, ja auch der Befreiung von der Bedrohung und Begrenzung durch den Tod.
All diese wunderbaren Gottesdienste werden wir wohl nur aus der Ferne und im Fernsehen mitfeiern können. Uns nur im kleinen Kreis der Familie berühren lassen können.
Aber das, was wir ansonsten in diesen Gottesdiensten feiern, geschieht trotzdem.
Jesus schenkt uns auch heuer wieder dieses wunderbare Zeichen der Gemeinschaft mit ihm und miteinander.
Jesus nimmt auch heuer wieder freiwillig das Kreuz auf sich, trägt es für uns Menschen, für jede und jeden von uns, und geht in seiner Liebe bis zum Äußersten, bis zum Tod am Kreuz.
Und Gott lässt uns am Ostermorgen wieder feiern, dass er das letzte Wort hat, nicht der Tod, nicht das Leid, nicht der Schmerz, nicht die Grausamkeit, nicht die Einsamkeit. Zuversicht!
Auch, wenn so vieles abgesagt wird und abgesagt werden muss. Gott lässt sich nicht absagen.
Freuen wir uns auf Ostern! Feiern wir seine Zusage des Lebens!
Feiern wir das Leben!
Und lassen wir uns berühren von der Nähe unseres Gottes.

Ich wünsche uns allen ein gesegnetes und befreiendes Osterfest!

Hermann Messerer



Weihnachten 2019
Eine kurze Geschichte der Weihnachtszeit (Advent und / oder Event)?
An Heiligabend erleben wir wie immer eine feierliche Chistmette. Die Gemeinde begeht die Heilige Nacht, in der Christus geboren wurde. Das Lukas Evangelium wurde gelesen, Weihnachtslieder gesungen, Heiligabend Stimmung eben. Da erwähnte der Pfarrer gegen Schluss so nebenbei, dass dieses Jahr das Christkindl beim Aufstellen der Krippe abhanden gekommen sei, aber sonst stünde sie am selben Ort wie immer.
Macht ja eigentlich nichts, sagte mein Kopf. Gottes Sohn wurde ja trotzdem für uns Mensch, damals, theologisch gesprochen. Aber eigentlich sollte doch dieser menschgewordene Gottessohn auch für die Sinne sichtbar oder wenigstens erfahrbar wirklich in der Krippe liegen, sagte mein Herz.
Eine leere Krippe aber, das geht an Weihnachten schon gleich gar nicht. Nun ja, am Ende der Messe stehen etliche Besucher vor der Krippe und rätseln: Wo kann's denn sein, es war doch letztes Jahr noch da?... Bis eine beherzte junge Dame die Initiative ergreift und auf das Podest mit der Krippe krabbelte, ganz weit nach hinten in den Stall greift und das Christkind tatsächlich findet.
Alles wieder in Ordnung, keine Panik, war ja nur eine Krippenfigur. Oder?, oder vielleicht doch nicht? Oder doch eine Geschichte, die nachdenklich macht oder gar provoziert. Ja, vielleicht haben wir selber aufgegeben, dass Christkind zu suchen, weil wir es nicht dort vermuten, wo es ist, nämlich im Dunklen bei den Kleinen, den Armen und den Bedürftigen, sondern nur dort suchen bei den Reichen, Mächtigen und Schönen, die im Lichte stehen. Weil wir nicht da suchen, wo das Licht eigentlich herkommt. Vielleicht will sie uns dies zeigen (anfangs hatte ich sogar den Pfarrer als Täter in Verdacht, dass da eine Botschaft oder eine pastorale Absicht dahintersteckte).
Ja, was suchen wir oder erwarten wir denn noch? Johannes der Täufer lässt Jesus aus dem Gefängnis heraus fragen: "Bist du es, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen anderen warten?" Und Jesus antwortet: "Blinde sehen und Lahme gehen wieder... und den Armen wird das Evangelium verkündet" (Mt. 11,5).
Ja, es kommt darauf an, die Welt nicht nur zu interpretieren, sondern sie zu verändern, wie schon Marx sagte. Philosophen und Politiker und auch Theologen reden mehr über und von Gott, der Welt und ihrer Zukunft als mit Gott und zu ihm, der seit Weihnachten für uns Mensch ansprechbar geworden ist und ein Gesicht hat, das Gesicht der Armen, Hungernden, der Fremden und Obdachlosen, das Gesicht eines Kindes.
"Mach es wie Gott, werde Mensch", fasste einfach einmal Bischof Kampaus das faszinierende Weihnachtsgeheimnis zusammen. Das ist wahrhaft die Sinninterpretation, die nicht mehr zu toppen ist, nicht durch alle Sinnboykotteure des Atheismus, trotz all ihrer... -ismen, von Nichilismus bis zum menschenverachteten Kapitalismus und all ihrer machtpolitischen und wissenschaftlich getarnten oder eingebildeten Potenz nicht sehen können. Sie wollen nicht sehen, dass es viel vernünftiger wäre, die Hoffnung auf einen "rettenden Gott" (Heidegger) zu richten, der am Ende der Vollendung mit uns alles in allem ist. Die Menschwerdung Gottes (Kenosis) ist auch nicht Schwächung seiner Göttlichkeit, sondern die Größe seiner Liebe. "Gott ist die Liebe" wie Johannes sagt. Darin begründet der italienische Philosoph Giovanni Vattimo die metaphysisch-christliche "Kehre" seines Denkens.
Ja, Weihnachten hat eine Vorgeschichte. Sie beginnt spätestens mit der Verkündigung des Engels von Nazareth. Eigentlich sollte man das Lukas Evangelium von hinten nach vorne lesen, um die Absicht des Verfassers zu verstehen: nämlich Jesus als den von den Propheten verheißenen und vom Volk ersehnten Messias zu erahnen. Dann erschließen sich auch die Kindheitsberichte und -legenden in ihrer heißgeschichtlichen Dimension, und Maria, die Mutter Jesu wird in ihrer Bedeutung und als Miterlöserin gewürdigt. Maria spricht ihr " JA-Wort" auf die Anfrage des gottgesandten Engels. Zuvor aber fragt sie selbstbewusst zurück: "Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne." Ja, eine unerhörte Anmaßung einer Frau in einer patriarchalen und männerdominierten Gesellschaft vor 2000 Jahren damals."
"Der Heilige Geist wird über dich kommen und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden, und der Engel weist auf Elisabeth hin, die trotz ihres hohen Alters schon im 6. Monat schwanger ist "denn bei Gott ist kein Ding unmöglich", hakt der Engel nach.
Da erst willigt Maria ein und wird sich ihres gewaltigen Heilsauftrages und ihrer Aufgabe bewusst. Mit diesem "JA-Wort" schwanger geht Maria über das Gebirge zu Elisabeth, die selbst Wunderbares erfährt und Maria herzlich begrüßt: "Gesegnet wirst du unter den Frauen (nicht vor allen Frauen, wie die neue Übersetzung lautet"). "Mächtige stürzt er vom Thron, Niedrige erhöht er.... Armen wird die frohe Botschaft verkündet", auf die Israel schon so lange wartet. "Und das Wort ist fleischgeworden" heißt es im Prolog des Johannes. Maria trägt ihn unter dem Herzen und sie trägt ihn nach Betlehem, dann auf der Flucht vor Herodes nach Ägypten, bringt ihn zu Simeon und Anna: Meine Augen haben das Heil gesehen " , sucht ihn, den zwölfjährigen im Tempel. Maria spielt wirklich eine tragende Rolle im Heilsdrama Jesu. Auf seinem Lebensweg ist sie dabei, von Kana bis unters Kreuz, an Pfingsten mitten unter den Aposteln, bei der Geistsendung.
Da wird Maria zu Recht Mutter der Kirche genannt: Nicht einer triumphalistischen und hierarchischen, sondern einer dienenden.
Ja, auf was warten wir denn noch? Auf wen? Der ewige Advent der Ankunft - und die Wartezeit ist vorbei. "Christ, der Retter ist da". Er ist angekommen. Wir müssen ihm entgegengehen wie auf einem Bahnsteig, sein Gepäck tragen helfen, wie damals Simon von Cyrene, der das Kreuz mittrug, damit er wirklich bei uns aufgenommen ist.

Szenenwechsel:
Die "Amazonassynode" und erst recht der sog. "Synodale Weg" mögen neuen Auftrieb geben für den jetzt auch noch, nach den Missbrauchsfällen, erschütterten Glauben. Da geht es jetzt endlich um die Sexuallehre der Kirche, um die Würde der Frau und ihre gleichberechtigte Teilnahme im sakramentalen Amt. Die eucharistische Heilsgemeinschaft und -feier ist wichtiger als die zölibatären Strukturen. Dienst eben statt Macht ist nicht zuletzt auch die Botschaft von Weihnachten, die wahre Befreiungstheologie, die im Stall von Betlehem geboren wird, wie der am 2. Dezember verstorbene große Oberpfälzer Theologe Johann Baptist Metz sagen würde.
Spätestens seit das säkulare, humane Bewusstsein die Gleichheit von Mann und Frau auch bei uns politisch akzeptiert, ist nicht mehr die Abwertung der Frau theologisch erklärungsbedürftig, sondern der Ausschluss von den sakralen Ämtern durch die Kirchenhierarchie.

Auch für die Bewegung Maria 2.0 gehört es zur ganzen Wahrheit des Schöpfungsprozesses, dass von Anfang an Mann und Frau als Ebenbild Gottes geschaffen sind, wie schon die Genesis es auf den Punkt bringt.
Vielleicht ist die Zeit jetzt reif, das "Magnifikat" in seiner programmatischen und prophetischen Tiefe anzustimmen und der theologischen Bewusstseinsentwicklung der Gläubigen gerecht zu werden.
In den Abschlussreden des Auferstandenen heißt es bei Johannes: "Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt noch nicht verstehen. Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit einführen."
Wenn schon durch die Frau das "Wort", der "Logos" in Maria Mensch geworden ist... ("und hat unter uns gewohnt") , dann werden wir alle seine Herrlichkeit schauen "voll Gnade und Wahrheit" , dann, wenn wir uns mit Maria und Josef auf den Weg machen nach Betlehem, und wenn es sein muss nach Jerusalem gehen.

In dieser zuversichtlichen Hoffnung

Ein gesegnetes und frohes Weihnachtsfest und ein gesundes neues Jahr.

Für alle Säbenfreunde

Hans Eberhardt



Oktober/November 2019
aktuelle Termine

23. Oktober 2019, 17:00 Uhr - Mitgliederversammlung im B.B.W. Abensberg

13. November 2019, 18:00 Uhr - Stammtisch in Abensberg, Jungbräu

26.-27. November 2019 - Adventsmarkt im B.B.W. St. Franziskus Abensberg 6.-8. Dezember 2019 - Adventsmarkt auf dem Bismarckplatz in Regensburg


Vorschau auf das Jahr 2020:
26.-28. Juni 2020 - Sommerfahrt zum Kloster Säben (ggf. auch ab 25. Juni 2020)
2.-6. Oktober 2020 - Herbstfahrt zum Kloster Säben (max. 13 Personen)



Mai - Juli 2019
aktuelle Termine

  • Stammtisch in Regensburg: 15. Mai 2019, 18:00 Uhr, Steidle-Wirt, Am Ölberg 13

  • Vortrag von Fr. Barbara Stamm, Bayerische Landtagspräsidentin a.D.
    "Was hält die Gesellschaft in Zukunft zusammen?"
    24. Juni 2019, 19:00 Uhr, Pfarrsaal Abensberg
    Einlasskarten unbedingt erforderlich, diese gibt es ab dem 27. Mai 2019 im
    Pfarrbüro oder bei Hermann Messerer.

  • Fahrt zum Kloster Säben (sog. "Vereins-Fahrt"): 05.-07. Juli 2019
    ggf. auch schon ab 04.07.2019, je nach Wunsch und Absprache der Teilnehmer.
    Information und Anmeldung bei Hermann Messerer (09443-709-189)

  • Stammtisch in Abensberg: 10. Juli 2019, 18:00 Uhr, Krinninger-Garten

  • Fahrt zum Kloster Säben (sog. "B.B.W.-Fahrt"): 02.-06. Oktober 2019
    Information und Anmeldung bei Hermann Messerer (09443-709-189)

  • Vortrag von Pfr. Rainer Maria Schießler, München
    "Himmel - Herrgott - Sakrament: Auftreten statt austreten"
    18. Oktober 2019, 18:00 Uhr, B.B.W. St. Franziskus Abensberg

  • Noch ein interessanter Veranstaltungshinweis:
    Vortrag von Abt Johannes Eckert, München, auf Einladung von Pfarrer Georg Birner
    07. November 2019, 19:00 Uhr, Pfarrkirche St. Barbara Abensberg



    Ostern 2019
    Osterbrief 2019
    Anders als in Platons Höhengleichnis führen sie kein Schattendasein weiter. Aber die ewige Frage nach dem Sinn von Existenz überhaupt, bleibt quälend offen. Man wird sie nicht los. Auch der Atheist nicht. Für den Gläubigen aber ist es besser zu existieren als zu resignieren.

    René Margritte (1898 -1967) malte das Bild von einer Pfeife so realistisch wie möglich und trotzdem: "Sie können sie nicht stopfen" sagte er zu einem Kritiker. "Es ist nur ein Bild." Unter das Bild schreibt er: "Ceci n'est pas une pipe", hätte ich geschrieben: "Das ist eine Pfeife, hätte ich gelogen," sagt er. Ja, man könnte höchstens das Bild selber in einer Pfeife rauchen. An der Wirklichkeit (Realität) zeigen sich die Grenzen der Kunst. Auch Worte weisen nur auf etwas hin. Die "Wirk-lichkeit" bleibt aber verborgen. "Dies ist das Mystische", wie Wittgenstein sagt, worüber man schweigen muss. "Das Wesentliche ist unsichtbar. Man sieht nur mit dem Herzen gut" (aus der Kleine Prinz von Antoine de-St-Exupéry).
    Auch Dogmen bleiben nur Wort in menschlicher Sprache. Ewig gültige Dogmen sind da nicht ausgenommen, weil auch ihre Haltbarkeitsdaten, wie auch vermeintlich wissenschaftliche Gesetze in der fortschreitenden Geistesgeschichte irgendwann ein Verfallsdatum haben und überholt sind. Thomas S. Kuhn, der sich mit Wissenschaftsgeschichte befasst nennt dies "Paradigmenwechsel". Am Fortschritt vom ptolemäischen zum kopernikanischen und galiläischen Weltbild, oder von Einstein zu Heisenberg...zeigt er dies. Solche Paradigmenwechsel gibt es auch in der theologischen Erkenntnisgeschichte (z.B. Vorhölle für Ungetaufte,...), ob mit der Kirche oder oft auch ohne sie oder sogar gegen sie. Viele gestrige Hardliner halten immer noch an antiquierten Menschen-und Gottesbildern und auch oft an Klerusstrukturen fest, weil sie um ihre Autorität in politischer und geistlicher Macht fürchten.

    Ja, Bilder verbergen oft mehr als sie zeigen, wie z.B. das Bild vom leeren Grab.
    Mein Lieblingsbild stammt von Caravaggio (1553-1610) "Der ungläubige Thomas". Der Auferstandene rehabilitiert den Ungläubigen und Skeptiker vor allen Jüngern. Nur Thomas der Zweifler darf seine Wunden berühren. Jesus führt sogar dessen Hand in seine offene Seite. Ja, Jesus liebt die Zweifler und Neugierigen, die tiefer sehen wollen um zu glauben. Unglaube ist letztlich auch ein Glaube. "Weil Du mich gesehen hast, glaubst Du. Selig, die nicht sehen und doch glauben." (Joh 20,29) Thomas glaubte, dass der Auferstandene mit dem zu Tode Gefolterten identisch ist. Er glaubt nicht nur. Er setzt auch seine Hoffnung für alle Zukunft auf ihn, wie auch die Jünger, die seinen Tod verkünden. Sie haben den Auferstandenen gesehen, mit ihm gesprochen und in Emmaus mit ihm das Brot gebrochen. Für die Wahrheit dieser von ihnen verkündeten Ostererfahrung setzen sie sogar ihr Leben aufs Spiel. Das macht sie so glaubwürdig und ihre Botschaft überzeugend, sogar vor Athenern.
    Es ist der Ostersonntag (1955), an dem Pater Teilhard de Chardin starb, der große Paläontologe, der Mitentdecker des "Homo Pekinensis", eines Voräufers des "Homo Sapiens". Er hat als Wissenschaftler die darwingeprägte Evolutionstheorie mit der christlichen Heilsgeschichte in Beziehung gebracht und so eine "evolutionäre Religionstheorie" geschaffen, deren Wurzeln weit vor unsere christliche Zeitrechnung zurückreichen. Evolution versteht er als eine, an Komplexität zunehmenden Wachstumsprozess (s. Withehead: Prozesstheologie) bis zu einem Punkt Omega, wie ihn Teilhard nennt. Diesen Prozess nennt er das "Christische". Nicht Gott selber ist einem Werdeprozess unterworfen, er ist die treibende und lockende Kraft dahinter, die über das Biossphärische hinaus zum Noosphärischen, in eine geistige Dimension einmündet. Auch Thomas von Aquin vertritt in seiner berühmten Schrift "De veritate" eine "teleologische Struktur des Kosmos", dass nämlich: alles in der Natur und im Menschen durch ein eigenes inneres Prinzip zu einem guten Ziel hinstrebt, bewusst oder unbewusst auf das Gute oder eben, wie Teilhard sagt, den Punkt Omega, wo Gott in und über Allem ist.
    Da reicht auch ein noch so digital quantifizierte "Künstliche Intelligenz" nicht heran, weil sie nie, etwa autonom, Verantwortung übernehmen, oder ohne eigenes Gewissen, zur Rechenschaft gezogen werden kann. In diesem Prozess ist der Mensch in seiner Würde als Gottes Ebenbild mit einbezogen, beteiligt und berufen. Der Soziologe Hans Joas spricht von der "Sakralität der Person", als Geschöpf Gottes. In diesem Werdeprozess am Punkt seiner Vollendung Ω, ist auch alles Böse, alles Unrecht und Hässliche überwunden. Selbst der Tod hat nicht das letzte Wort. Dann sind auch in Bezug auf die derzeit laufende heftige Diskussion (s. Römische Bischofskonferenz) nicht nur die Frauen besonders betroffen, sondern auch alle Laien, auch die Männer. Da geht es heute erst recht um ein neues Paradigma in der kirchlichen Sexualmoral, wo vor allem der Missbrauchsskandal zum Anlass wurde. Diese Sexualmoral hat mit der patriarchal-überheblich angemaßten Amtsautorität und ihrem spirituellen Anspruch zu tun, der sehr wohl dem göttlichen Heilswillen widerspricht. Da geht es um die Gleichberechtigung der Frau im Amt, um den Zölibat, Homosexualität, Wiederverheiratete usw.
    "Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Männer und Frauen, denn ihr alle seid einer in Christus Jesus," sagt Paulus im Gal 3,28. So bleiben auch die Opfer der menschlichen Unheilsgeschichte nicht als ewige Kollateralschäden der Evolution zurück. Damit ist auch alles der universalen Evolution Widerständige aufgehoben in diesem "christischem Heilsprozess".

    Und weil das so ist und für alle gilt, ob gläubig oder nicht, dürfen wir frohlockend in das "Exultet" der Osternacht einstimmen und den Hymnus auf das Osterlicht Christus und sogar die "felix culpa" miteinbeziehen, weil wir so einen göttlichen Wohltäter und Erlöser gefunden haben und bei jeder Eucharistie feiern dürfen.
    Ja, "deinen Tod ,oh Herr, verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit".

    So dürfen wir uns ein frohes Ostern wünschen.
    Für die Kloster-Säben- Freunde

    Hans Eberhardt

    Die erwähnten Bilder:
    Magritte
    Caravaggio








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